Der Hemmaberg slowenisch: Gora svete Heme) ist ein 842 müA. hoher Berg im Vorfeld der Karawanken und liegt westlich der Ortschaft Globasnitz im Süden Kärntens. Auf dem Gipfelplateau befand sich zumindest seit römischer Zeit ein keltisches Heiligtum. In spätantiker Zeit gab es hier eine Höhensiedlung mit einer älteren Kirche und zwei gleichzeitig Anfang des 6. Jahrhunderts erbauten Doppelkirchen. Die Siedlung ging um 600 zugrunde. Im Mittelalter wurde auf dem Gipfel eine Wallfahrtskirche erbaut, in der Rosaliengrotte wird seit dem Barock die Pestheilige Rosalia verehrt.
Natur: Der Hemmaberg ist Teil des Karawankenvorlandes und befindet sich am Südrand des Jauntales, 5,4 Kilometer westlich von Globasnitz. Gebildet wurde dieses nach der Hebung der Karawanken und der damit einsetzenden Erosion im Tertiär vor 12 bis 14 Millionen Jahren. Dadurch entstanden Konglomerate aus dem Kalk-Geröll, die hier als Bärentalkonglomerat bezeichnet werden. Die geologische Karte ÖK 1:50.000 weist das Gebiet als Tertiär aus. An der Nordseite fällt der Hemmaberg steil ab, wodurch er in der Antike nur auf drei Seiten befestigt werden musste. In der Rosaliengrotte befindet sich eine Quelle. Die Vegetation besteht großteils aus Fichtenwald, teilweise mit Laubholzeinsprengungen. Im Bereich der Rosaliengrotte und der Ausgrabungen am Plateau befinden sich Wiesen. Als potentielle natürliche Vegetation wird ein Finger-Zahnwurz-Tannen-Buchenwald angegeben. Der Name des Anwesens am Südhang des Hemmabergs, Gradischnigg, bezieht sich auf die Ruinen am Gipfel, die als Burg (slowenisch grad) interpretiert wurden.
Geschichte: Die ersten Siedlungsspuren auf dem Hemmaberg werden in die Zeit zwischen 1500 und 1250 v. Chr. datiert. Aus römischer Zeit ist durch eine Inschrift die Verehrung einer nur hier erwähnten Gottheit Iovenat (oder Iouenat) bekannt. Die Inschrift lautet: Iouenat / Aug(usto) / Attia Ing[e]/nua v(otum) s(olvit). (Dem Iouenat Augustus hat Attia Ingenua das Gelübde eingelöst.) Augustus ist ein häufiges Attribut in Inschriften für einheimische Gottheiten. Von dieser Gottheit leitet sich der Name der römischen Siedlung im Tal, Iuenna (auf dem Gebiet des heutigen Globasnitz) ab, sowie in Folge der mittelalterliche Name des Berges Iunberch oder Jaunberg und schließlich der des ganzen Jauntals. Bei Iovenat handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um eine vorrömische Gottheit, wurde im Fundmaterial doch Keramik aus der Spät-La-Tène-Zeit und der frühen Kaiserzeit gefunden. Dies spricht für eine kontinuierliche Besiedlung vor und nach der römischen Okkupation Noricums. Nach der Gründung von Iuenna am Talboden wurde die Bergsiedlung wohl aufgegeben.Die spätantike Siedlung entstand um 400 n. Chr., als die Bewohner von Iuenna, wie in Noricum um diese Zeit weit verbreitet, die ungeschützte Siedlung in der Ebene verließen und sich in geschützte Höhenlagen zurückzogen. Östlich vom alten Heiligtum des Iovenat entstand die erste Kirche. Rund um die Bergkuppe wurde eine Befestigung angelegt: ein Wall aus Erde, Steinen und Bauschutt, kein Mauerwerk. Entlang des Anfahrtsweges, der heute noch gleich verläuft, befindet sich das Gräberfeld mit Gräbern aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Bisher sind 125 Gräber bekannt, soweit feststellbar, handelte es sich bei den Bestatteten um christliche Romanen. Etwa 500/510 wurden etwa gleichzeitig zwei Doppelkirchenanlagen erbaut. Die Anzahl und Größe der Kirchen, die beiden Gemeindekirchen fassten etwa je 300 Personen, lassen den Ausgräber, Franz Glaser, vermuten, dass es sich beim Hemmaberg um ein frühchristliches Pilgerzentrum handelt. Die westliche Doppelkirche weist er den Arianern der Ostgotenzeit zu, die östliche den Katholiken. Zwischen 493 und 536/537, also zum Zeitpunkt der Erbauung, war Binnennoricum Teil des Ostgotenreichs. Die prächtige Ausstattung der Kirchen könnte somit auch einer gewissen Rivalität zwischen den beiden Religionen entsprungen sein. Die arianische Doppelkirche wurde nach dem Ende der Ostgotenzeit profan genutzt. Eine andere Meinung vertritt Bierbrauer, der die Kirchen unterschiedlichen politischen Einheiten im weiteren Umfeld des Bergs zuordnet.Aschenreste über den Mosaiken sowie zerschmolzene Fensterscheibenstücke zeigen, dass die Siedlung durch Brand um 600 n. Chr., wohl im Zuge der slawischen Landnahme, zugrunde ging. Zwischen 1498 und 1519 wurde die Kirche der hl. Hemma und Dorothea zum Teil mit Material von den Kirchenruinen erbaut. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert sind Wallfahrten und die Verehrung der hl. Rosalia in der Rosaliengrotte belegt. Etwa seit dieser Zeit ist auch der Name Hemmaberg für den zuvor Iunberg genannten Berg überliefert. 1887 berichtete K. Hauser von altem Mauerwerk und von Funden auf dem Hemmaberg. Die wissenschaftliche Erforschung begann jedoch erst 1906, als die bis 1914 andauernden Ausgrabungen, besonders durch den Notar H. Winkler, der östlichen Doppelkirche stattfanden, die 1916 von Rudolf Egger publiziert wurden. Seit 1978 leitet Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum die Ausgrabungen. Seit 2002 befindet sich auf dem Hemmaberg ein Meditationspfad „ad fontes“. Die Ausgrabungen sind als Freilichtmuseum öffentlich zugänglich, die Mosaike befinden sich im Museum in Globasnitz. Die Fundamente wurden konserviert, die ursprünglichen Böden werden durch weißen Marmorkies für Mosaike und durch roten Kalksteinsplitt für den roten Ziegelsplittestrich angedeutet. Graugrüne Bruchsteinplatten zeigen die Lage der Gräber an, sofern die originalen Grabplatten nicht erhalten sind. Am dritten Sonntag im September findet der Rosalienkirchtag auf dem Hemmaberg statt. An diesem Tag werden hl. Messen nicht nur in der Wallfahrtskirche, sondern auch in der Gemeindekirche der östlichen Doppelkirche zelebriert.
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