Das Zollfeld (slow. Gosposvetsko polje) ist eine Ebene in Kärnten, Österreich. Sie liegt im Klagenfurter Becken nördlich von Klagenfurt und erstreckt sich bis Sankt Veit an der Glan. Das Zollfeld wird von der Glan durchzogen und ist eine der ältesten Kulturlandschaften Kärntens, es war lange Zeit kulturelles und politisches Zentrum der antiken römischen Provinz Noricum, des von Alpenslawen dominierten Fürstentums Karantanien und später Kärntens. Im Südosten der Ebene liegt der Ort Maria Saal, etwas nördlich am Fuß des Magdalensbergs gelegen finden sich heute noch die Ruinen von Virunum, der Hauptstadt der Provinz Noricum. Die ersten bekannten Siedlungen stammen schon aus der Hallstattzeit, wie Funde am Maria Saaler Berg zeigen. Seitdem war das Gebiet in jeder Zeitepoche besiedelt. Um 830 wurde eine karolingische Pfalz am Fuß des Ulrichsbergs errichtet, das heutige Karnburg. Der Name „Zollfeld“ stammt aus der Zeit um 976, als das Herzogtum Kärnten nach der Abtrennung vom Herzogtum Bayern Eigenständigkeit erlangte. Aus dieser Zeit sind zwei bedeutende Denkmäler erhalten, die für die Kärntner Herzogseinsetzung eine Rolle spielten. Es sind dies der Herzogsstuhl (ursprünglich ein Grabstein eines Bewohners des altrömischen Virunum) und der Fürstenstein in Karnburg (heute im großen Wappensaal des Landhauses in Klagenfurt).
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Link: Fürstenstein und Landhaus Klagenfurt!
Mit der Eingliederung Norikums ins römische Imperium (1. Jh. n.u.Z.) veränderte sich auch die Siedlungsstruktur des Landes. Die meisten Dörfer wurden von ihren bisherigen Standorten auf Hügeln oder Bergkuppen in die Täler und Ebenen verlagert. Von den Umsiedlungen betroffen war auch die Niederlassung auf dem Magdalensberg. Im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung entstand die neue Hauptstadt der römischen Provinz Norikum – Virunum – auf dem Zollfeld, einer Ebene östlich der heutigen Landeshauptstadt Klagenfurt.
Der Name „Virunum“ setzt sich aus den lateinischen Wörtern „vir“ (Mann) und „unum“ (ein) zusammen, womit auf eine Sage hingewiesen wird, in der ein einzelner Mann („vir unum“) das Land von einem Ungeheuer befreit haben soll. (Gleirscher, Mystisches Kärnten, Carinthia Verlag) Ein ähnliches Motiv findet man auch in der bekannten Lindwurmsage.
Wie die meisten neu entstandenen Provinzstädte wurde auch Virunum nach dem Vorbild Roms angelegt. Die Straßen verliefen rechtwinkelig, mit der Hauptachse in SSW-NNO Richtung, das Forum (Marktareal, mit Marmorplatten ausgeschmückt) und das Kapitol bildeten das Zentrum der Siedlung. Angrenzend lagen die Markthalle mit den Repräsentationsbauten sowie die Händler- und Handwerkerviertel. Öffentliche Brunnen, Wasserleitungen und Abwasserkanäle sorgten für eine ausgezeichnete Ver- und Entsorgung der Stadt.
Etwas abseits des Zentrums, auf dem Töltschacher Hügel, befanden sich ein Militärlager und der Palast des Stadthalters. Zudem wurde hier ein aus dem 2. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung stammendes Amphitheater ausgegraben, das für das Amüsement der Bewohner sorgte. Diese Holz-Steinkonstruktion (108,1 mal 46,5m) bot 3.000 bis 4.000 Besuchern Platz und offerierte Gladiatorenspiele und Tierhetzen. An das Amphitheater schloss sich ein Nemesis-Heiligtum (Nemesis war die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit) an, wie es im Umfeld etlicher Arenen im gesamten römischen Reich anzutreffen war
Kultstätten
Der Haupttempel am Kapitol war den Göttern Jupiter, Juno und Minerva geweiht. Ferner gab es einen Tempel für die ägyptische Göttin Isis, und auch der Verehrung der Roma und dem Kaiserkult kam eine wesentliche Bedeutung zu.
Der römische Götterolymp wurde im Laufe der Zeit durch etliche Gottheiten aus den Provinzen komplettiert. Zahlreiche Römersteine, Statuen und Reliefs, die auf dem Zollfeld gefunden wurden, zeugen von der Vielfältigkeit der kultischen Verehrung. In diesem Zusammenhang muss auch eine Kybele-Statue erwähnt werden, die sich gegenwärtig im Klagenfurter Lapidarium befindet. Kybele war eine kleinasiatische Fruchtbarkeits- und Muttergöttin, deren Kult oftmals exzessive Züge annehmen konnte.
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Kybele-Statue (Teurnia)
Das Zollfeld ist eine Schatzkammer für römische Relikte. Auf Kirchen, Kapellen und Wohnhäusern entdeckt man Darstellungen aus der antiker Mythologie sowie Bildnisse aus dem Alltag der römischen Provinz. So erschließen sich Einblicke in das Leben der Menschen und ihrer Kultausübung. Von besonderem Interesse sind die etlichen Göttinnen und Götter der römischen Mythologie, die in Virunum verehrt und gehuldigt wurden.
In diesen Fundstücken offenbart sich auch der vermehrte Einfluss orientalischer Gottheiten im römischen Imperium. So entdeckte man Kultbilder der persischen Mithrasreligion, von der das Christentum etliche Charakteristiken übernommen hat. Da Virunum im Laufe der Geschichte immer mehr an politischer und militärischer Bedeutung verlor, konnte es auch der einsetzenden Völkerwanderung (4. Jh. n.u.Z.) wenig entgegensetzen. Die Stadt wurde verlassen und geriet rasch in Vergessenheit. Die Natur eroberte sich ihr Territorium zurück, sodass heute nur noch wenig von der einstigen Größe und der prunkvollen Ausstattung der römischen Provinzhauptstadt erkennbar ist. Es wurden zwar mehrfach archäologische Ausgrabungen und Vermessungen durchgeführt, jedoch blieb mit Ausnahme des Amphitheaters nichts erhalten. Man muss jedoch nur an der Oberfläche kratzen, um den Geist der Vergangenheit wiederzubeleben.
Prunnerkreuz
Hierbei handelt es sich um eine kleine Kapelle, die vom Kärntner Landesbeamten Johann Dominikus Prunner (1691-1693) erbaut wurde. Die Wände bestehen fast zur Gänze aus antiken Römersteinen.